OEG 02: die Story

Nach schwerer Überzeugungsarbeit meiner damaligen Kliniktherapeutin habe ich im März 2017 einen Antrag auf OEG gestellt. Die wollen da ja relativ viel schon im Antrag wissen. Viel hab ich geschrieben, einiges nur angedeutet, manche Dinge nur vage wiedergegeben.

Nach Wochen erhielt ich ein Schreiben dass ich bezüglich des Missbrauchs durch meinen Bruder bitte genauere Angaben machen solle und die Anzahl der sexuellen Übergriffe benennen soll.

Glücklicherweise war meine Klinikthera bereit das mit mir gemeinsam zu schreiben obwohl ich nicht mehr stationär war, aber alleine sah ich mich dazu außerstande.

Die Klinikthera schrieb dann auch gleich dazu dass ich um Täterkontakt zu vermeiden vor Jahren das Bundesland gewechselt habe und die Täter keinerlei Informationen über meinen Aufenthaltsort haben und dass dies zu meinem Schutz auch so bleiben müsse. Und dass es aufgrund der schwere der Gewalt es für mich fatale Folgen haben könnte, sollte ich gezwungen werden in Anwesenheit der Täter bei einer Gerichtsverhandlung eine Aussage machen zu sollen. Was ich aufgrund meiner Mitwirkungspflicht tun würde, aber die Folgen die für mich daraus entstehen würden wären nicht abschätzbar.

Weitere Monate gingen ins Land, dann kam ein Schreiben dass meine Erzeugerin zumindest die Misshandlungen durch meinen Erzeuger bestätigt hätte und dass sie deshalb auch die sex, Übergriffe durch meinen Bruder nicht mehr anzweifeln und ich somit als Opfer anerkannt werde.

Es gingen weitere Monate ins Land ohne dass ein Bescheid eingetroffen wäre. Doch dann bekam ich endlich mal wieder ein Schreiben in welchem mir angekündigt wurde dass ich um den Grad der Schädigungsfolgen zu bestimmen zu einer Gutachterin müsse. Dieser Gutachtertermin würde Bundeslandübergreifend bei mir in Wohnortnähe durchgeführt werden weil aufgrund der Schwere der Gewalt und auch der Schwere des Krankheitsbildes es mir nicht zuzumuten wäre nach BaWü zum Gutachten zu kommen.

UND, es wird dringend angeraten dass die behandelnde Ambulante Therapeutin bei dem Gutachtertermin mit anwesend ist. Man lese und staune!

Monate später dann endlich das Schreiben wann und wo das Gutachten stattfinden solle. Frau Therapeutin hat den Termin dann erstmal verschoben weil Sie für diesen Tag die Praxis dichtmachen musste um mit anwesend sein zu können.

Ich hatte eine Gutachterin die sich angeblich mit PTBS und so auskennt. Die stellte mir fragen mit denen ich nie im Leben gerechnet hätte. Mehrer Male merkte ich dass ich gleich in die Dissoziation rutsche und futterte Chilipulver um das zu verhindern. Sie fragte auch warum ich mir das Chilipulver so fleißig in den Mund stopfe und wieviel scoville das Pulver hätte. Wow, dachte ich, die Frau kennt sich aus und sagte dass mein Chilipulver ein Boh Jolokai Pulver mit 800 000 scoville wäre. In Deutschland ist meines Wissens das schärfste Chili das hier erhältlich ist mit 1,2 Mio scoville bezeichnet, das ist jetzt meines ja soooooo weit nicht von weg.

Die Fragen wurden für mich immer absurder und Frau Therapeutin sah es wohl kommen, dachte sich aber dass sie das jetzt zulassen würde weil die Gutachterin das ruhig auch sehen dürfe. Es katapultierte mich ohne für mich bemerkbare Vorwarnung in den Stupur. Im stupur bin ich komplett out of order. Ich höre nichts, ich sehe nichts, ich kann mich nicht bewegen, ich nehme kaum einen Schmerzreiz wahr und auch der Geruchssinn ist stark eingeschränkt. Also richtig weg.

Was letztlich immer hilft wenn man nicht Stunden warten möchte bis sich der Zustand von alleine beendet ist mir Ammoniakstäbchen mindestens 15 minuten unter die Nase zu halten bis dieser Scheißüble Geruch endlich im Hirn ankommt und mich aus dem stupur reißt. Frau Therapeutin hat mich wohl erstmal in dem Zustand belassen wie sie mir hinterher berichtete und amüsiert dabei zugesehen wie Frau Gutachterin mich durch Ansprache, in die Hände klatschen, am Arm zu kneifen mich wieder ins Hier und Jetzt holen wollte und es natürlich nicht gelang. Irgendwann fragte sie dann wohl Frau Therapeutin wie lange das gehen würde wenn man jetzt nix macht und Frau Therapeutin antwortete „mehrere Stunden“.

Ob Frau Therapeutin mich da rausholen könne, war die Frage. Ja das könne sie und rückte mir mit Ammoniak zu Leibe. Danach war ich dann erstmal 10 minuten völlig desorientiert und schon ging die Befragerei weiter. Nach 2 Stunden insgesamt bat ich darum mal eben den Raum verlassen zu dürfen und sackte im Flur zu Boden und weinte hemmungslos für einige Minuten, dann riss ich mich wieder zusammen und ging wieder rein. Da es zu sehen gewesen ist dass ich geweint habe hat die Gutachterin dann nach einer weiteren halben Stunde das Gutachten beendet und auf die eigentlich noch notwendige Körperliche Untersuchung verzichtet.

Es gingen weitere Monate ins Land, dann kam endlich der Bescheid.

Sie erkennen einen Grad der Schädigungsfolgen von 30% an da die frühkindliche Deprivation in Kombination mit den Misshandlungen und dem sex Missbrauch mitursächlich angesehen werden können für die später entwickelte Borderline Persönlichkeitsstörung und somit können Sie auch nur einen Teil der PTBS-Symptomatik anerkennen. Die dissoziativen Zustände seien nie von einer außenstehenden Person bestätigt worden (Hallo? Stand in jedem Klinikbericht? Ich bin während ihres Gutachtens in den stupur gerutscht?) insofern könne die dissoziative Störung nicht anerkannt werden, die DIS und die rezidivierenden schweren Depressionen wurden nicht mal erwähnt!

Meine Frau Therapeutin ist im Viereck gesprungen als sie das gelesen hat, auch die Psychiaterin meinte dass das absolut lächerlich sein würde, dass ich einen GdS von mindestens 70% anerkannt bekommen müsste und so wurde jetzt eine Anwältin für Sozialrecht die sich mit OEG super gut auskennt beauftragt. Wird Gott sei Dank von meiner Rechtsschutzversicherung bezahlt und so wurde der Widerspruch umgehend eingereicht und das Gutachten der Gutachterin zur Einsicht angefordert. Bin mal gespannt wie lange das dauert bis wir das erhalten. Rein rechtlich dürfen die das bis zu 3 Monate rausziehen, dieses Gutachten zu übermitteln.

Ich mein vonAntragsstellung im März 2017 bis zu dem Bescheid sind lächerliche 25 Monate ins Land gegangen. Und da bin ich echt gut mit weggekommen, ich habe schon Fälle gehört da wird seit mehreren Jahren mit Gutachten und Gegengutachten nur wegen der Anerkennung rumgekaspert. Geschweige denn dann noch der GdS.

Wer therapeutisch keinen guten Rückhalt hat sollte sich dieses Verfahren eigentlich nicht antun. denn so manches Schreiben von denen löst sofort eine suizidale Krise aus die du dann im schlimmsten Fall mit mehreren Wochen geschlossene Psychiatrie zubringst.

Schade eigentlich dass etwas, das eigentlich zur OpferHILFE ins Leben gerufen wurde, Opfer erstmal nur destabilisiert und unter Umständen retraumatisiert und dann den Behandlungsablauf auch noch unsinnig verkompliziert…….

Was bin ich froh über solche Sozialen Hilfe-Systeme *ironie off


3 Kommentare zu „OEG 02: die Story

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