R.I.P my beloved friend (Veränderungen 4)

Tja, auch dieses sehr emotionale Kapitel der Veränderungen möchten wir erzählen, vor allem weil es auch heute noch mit so vielen unterschiedlichen Emotionen behaftet ist und wir soooooo deutlich wahrnehmen, wie unterschiedlich verschiedene Innens das betrachten.

Wir haben uns wenige Tage vor heilig Abend von unserem geliebten Kimon verabschiedet und ihn über die Regenbogen-Brücke gehen lassen……..

Als wir vor mehr als 7 Jahren dieses traumatisierte und verängstigte Bündel Hund aus dem Tierheim holten, wussten wir ja schon, dass er nicht komplett gesund ist. Dass er mit dem Leishmaniose Erreger infiziert ist und dass diese jederzeit ausbrechen könnte und Kimon dann entweder ein langer Leidensweg bevor stünde, oder wir ihn gehen lassen müssten.
Wir haben ihm damals schon versprochen, dass wenn er je so krank werden würde, dass wir ihn nicht quälen, ihn nicht leiden lassen nur damit wir nicht alleine sein müssen……sondern dass wir ihn dann gehen lassen würden.

Die ersten Jahre taten wir alles, um Kimon etwas mehr Vertrauen in die Welt zu vermitteln und um seine Stressbedingten immer wieder auftretenden Magenrobleme zu reduzieren.
Insgesamt betrachtet gelang uns das sehr gut, wenn auch sehr langsam. Aber alle, die Kimon kennenlernten kurz nachdem wir ihn aus dem Tierheim geholt hatten und die seinen „Werdegang“ mehr oder weniger regelmäßig mitverfolgt haben, die sagten alle dass sie es nie für möglich gehalten hätten, dass er je mals zutraulich fremden Menschen gegenüber werden würde. Immer noch vorsichtig, aber dass er einen ihm völlig unbekannten Menschen der uns zum ersten mal besuchte, bereits nach 2 bis 3 Stunden vorsichtig beschnupperte……..das hätten sie nie geglaubt.

Selbst unsere Nachbarn hier haben, nachdem sie Kimon die ersten male im Garten erlebt haben, dass er sofort in die Wohnung flitzte sobald jemand die Nachbargärten betrat……..und er später dann die Nachbarn anwuffte wenn sie in ihre Gärten kamen (so nach dem Motto „hi, ich kenn euch nicht, ich hab schiss vor euch, kommt mir nicht zu nahe“) ……. und nach einem Jahr völlig ungeniert durch den Garten tobte und flitzte und er nur noch unsicher wurde und kurz wuffte, wenn die Nachbarn Besucher im Garten hatten die er noch nie zuvor gesehen hatte…..
Also auch die Nachbarn waren völlig beeindruckt wie Kimon immer weiter und immer weiter Fortschritte machte, zutraulicher wurde, selbstbewusster.
Wir haben ihn sooooo sehr geliebt und soooooo hart mit ihm und uns selbst gearbeitet, damit er einfach Hund sein kann und sein Leben genießen kann.

15 Monate bevor wir umgezogen sind hatte Kimon seinen ersten epileptischen Anfall. Er flog minutenlang kreuz und quer durch die Küche und wir dachten, er stirbt uns jetzt einfach so weg. Das war sooooooo ein Schreck!!!
Als der Anfall vorüber war, brachten wir ihn in die Tierklinik und ließen ihn von Kopf bis Pfote durch checken……..aber es konnte kein eindeutiger Grund/Anlass für diesen Anfall diagnostiziert werden.
Dann war erst mal 15 Monate Ruhe.

Der Umzug stresste Kimon natürlich auch enorm und so hat es uns nicht wirklich gewundert, dass er 4 Tage nach dem Umzug seinen nächsten Anfall bekam. Auch da haben wir ihn wieder gründlich durch checken lassen, ohne einen Befund.
Dann dauerte es nur 3 Monate zum nächsten Anfall, der war zwar nicht soooo schlimm mit kreuz und quer durch die Wohnung fliegen……aber es kamen dann immer schneller „kleinere“ Anfälle bis er dann Ende Januar 21 wieder einen heftig schlimmen Anfall hatte und sich schwer am Rücken verletzte dadurch.

Ab da bekam er Medikamente gegen die Eilepsie, regelmäßige Physiotherapie und dann hatten wir erstmal wieder Ruhe. Bis Februar 22. Da kam der nächste große Anfall und damit war dann auch erstmal der Rücken wieder „Schrott“. Die Physiotherapeutin kam ab da 1x wöchentlich und wenn wir versuchsweise mal 2 Wochen Pause machten, merkte man sehr deutlich dass Kimon wieder Schmerzen bekam. Also zogen wir das konsequent durch, machten mit ihm die verordneten Übungen um seinen Körper mit so wenig wie möglich Schmerzmittel belasten zu müssen, die dann nämlich wieder die Magenproblematik verstärkten.

Ende Juli/Anfang August entwickelte er dann Verhaltensweisen, die ich so von ihm nicht kannte. Er schien ständig Hunger zu haben, öffnete die Kammer-Türe um an Hundefutter zu kommen und klaute in der Küche oder vom Esstisch alles was essbar war. Ich konnte vorher problemlos einen Teller mit ChickenNuggets auf dem Wohnzimmertisch stehen lassen und auf Toilette gehen, Kimon rührte den nicht an. Er wußte genau was „unseres“ ist und was „seines“ ist und an „unseres“ Essen ging er ohne Erlaubnis nicht ran. NIE!
Doch dieses NIE war nun vorbei. Er fraß einmal sogar Schokolade zu unserem Entsetzen, wir waren nur 30 minuten bei Nachbarn drüben um was zu besprechen…..natürlich Sonntag abends. Aber der TA den wir dann kontaktierten, konnte uns beruhigen, es war nicht allzu viel Schokolade für seine Größe und sein Gewicht und mit realtiv wenig Kakao Gehalt.
Aber zu diesem „essbares“ ist nicht mehr sicher kam dann auch noch eine „Zerstörungswut“ wenn wir ihn allein ließen.
Er konnte vorher völlig problemlos einige Stunden alleine zu Hause sein…….plötzlich fing er an in der Wohnung Gegenstände zu zerstören, selbst wenn wir nur im Garten waren und die Türe offen war und er jederzeit zu uns raus gekonnt hatte……..oder wenn wir auf Toilette waren……..und wir verstanden nicht, weshalb, waren ratlos…….

Es kamen trotz der Medis wieder mehr Anfälle in kürzeren Zeitabständen, sein Rückenproblem wurde dadurch natürlich nicht besser. Wir trauten uns kaum noch zum einkaufen, haben dann einen Welpenauslauf besorgt in den er gehen musste wenn wir zum einkaufen gegangen sind, damit er uns die Bude nicht zerlegte.
Solange wir in seiner Nähe waren, war er der liebste und tollste Hund, aber wenn wir ihn alleine ließen kam er überhaupt nicht mehr klar. Wir haben sogar eine Kamera installiert um herauszufinden was passiert wenn wir die Wohnung verlassen. Wenige Minuten nach dem wir ausser Sichtweite waren schnappte er sich aus dem nichts einfach irgendwas und zerstörte es……..nichtmal mit erkennbarer Wut oder Aggression, aber er ließ auch nicht ab. Sobald er hörte dass wir kommen, schaute er uns nur an und wedelte freudig mit der Rute……
Dann fing er an Gang unsicher zu werden. Urin im Schlaf zu verlieren. Und schließlich kehrte seine Schreckhaftigkeit zurück. Er weigerte sich Gassi zu gehen, er konnte sich selbst im Garten nur schwer lösen, entweder weil er wegen des Rückens umkippte wenn er das Bein hob, oder das sitzen um sich zu lösen erkennbar schmerzhaft war, aber auch das kleinste noch so gut bekannte Geräusch sorgte dafür dass er sein „Geschäft“ abbrach und in die Wohnung flüchtete……

Und dann am Sonntag vor hl Abend, er war grade beim fressen, wir lagen auf dem Sofa und machten was am Handy und klappten das Handy zu………ein millionenfach gehörtes „klick“ dieses zuklappen des Handys……und Kimon machte einen erschreckten Satz zur Seite, duckte sich und flüchtete aufs Sofa. Wir mussten ihm 15 minuten gut zureden, dass er wieder an seinen Napf ging und weiter fraß.
Das war der Punkt wo wir uns fragten, ob das noch lebenswert für ihn ist. Mit Medis vollgepumpt, trotzdem ständig Schmerzen und Anfälle und nun auch wieder diese extreme Angst und Panik.
Wir schauten Kimon an und fragten ihn in Gedanken „willst du gehen mein Freund? Ich hab dir versprochen dich nicht zu quälen und wenn du gehen willst, dann lassen wir dich gehen. Du musst es uns nur zeigen. Wenn du gehen willst, leg dich auf den Teppich, ansonsten spring wie immer aufs Sofa“. Wir sprachen nicht laut, nur in Gedanken……und Kimon schaute uns an und legte sich auf den Teppich. Das Sofa war sein Lieblingsplatz, seiner sichere Burg……aber er legte sich auf den Teppich.
Ca 1 Stunde später stand ich in der Küche, Kimon neben mir und ich schaute ihn an und sagte wieder nur in Gedanken „Kimon, ich muss es wirklich genau wissen, das vorher könnte auch Zufall gewesen sein. Wenn du wirklich gehen willst, wenn wir dich gehen lassen sollen, dann geh ins Wohnzimmer und leg dich auf den Teppich. Wenn nicht, spring aufs Sofa.“ Wir sagten es in Gedanken und bewegten uns nicht dabei. Und Kimon ging ins Wohnzimmer und legte sich auf den Teppich!
Wir fingen an zu heulen und legten uns neben ihn und sagten dann laut zu ihm „wir haben dich verstanden. Wir rufen morgen die Tierärztin an und dann darfst du gehen, so wie wir es dir versprochen hatten“ und Kimon atmete sichtbar und fühlbar auf.
Also telefonierten wir am Montag vormittag mit der Tierärztin und berichteten das was sie noch nicht wusste und dass Kimon jetzt auch Probleme hat sich zu lösen draussen, dass er im Schlaf Urin verliert, sich weigert Gassi zu gehen und nur noch panisch und schreckhaft ist. Und sie meinte dann, dass wohl mit seinem Gehirn was nicht in Ordnung sei. Wir teilten ihr mit, dass wir ihn nicht weiter untersuchen lassen wollen, sondern ihn gehen lassen möchten…….und diese Tierärztin kannte ihn ja von dem Tag an als wir ihn aus dem Tierheim holten……..sie hat sein ganzes Leben bei uns begleitet………und sie sagte, dass sie das auch für das sinnvollste hielte, so wie er sich verändert hatte die letzten Monate.
Und so bekamen wir für Dienstag nachmittag einen Termin und ich sagte Kimon, dass dies sein letzter Tag mit uns sei……dass er morgen über die Regenbogenbrücke gehen dürfe und nie mehr wieder Anfälle, Schmerzen, Angst und Panik haben müsse.
Und er zeigte uns, dass er uns verstanden hatte und wie dankbar er dafür ist, in dem er mit uns die verbliebene Zeit so viel schmuste und kuschelte, wie die ganzen 7 Jahre vorher er das nie getan hatte. Wir hatten noch wunderschöne und friedliche 1,5 Tage miteinander voller Liebe, Respekt und Dankbarkeit.

Am Dienstag nachmittag starb er dann in unseren Armen, auf seiner Lieblingsdecke mit seinem Lieblingsduft vor der Nase, mit all unserer Liebe und Tränen begleitet und sehr liebevoll und respektvoll begleitet durch unsere Tierärztin. Er schlief ohne Angst und völlig friedlich ein.

Die Kleinen freuen sich, wenn sie in den Himmel schauen, weil sie ihn fröhlich toben sehen mit anderen Hunden, frei von Schmerzen und Angst. Größere sind unendlich traurig und vermissen ihn soooooo sehr! Andere Größere sind erleichtert, weil wir nun endlich wieder aufs Klo, oder einkaufen gehen können, oder kurz zu Nachbarn, ohne dass wir Kimon vorher in den Welpenauslauf sperren müssen oder Angst haben müssen wie die Wohnung aussieht, wenn wir wieder heim kommen. Und es gibt auch ein paar wenige, die sind sooooooo wütend und sagen „nur weil ihr es nicht ertragen konntet Kimon krampfen zu sehen, nur weil ihr es nicht aushalten konntet dass er Schmerzen hatte, habt ihr ihn einfach umgebracht!“

Ja, mit diesem Emotions-Mischmasch müssen wir nun wohl noch eine Weile leben, uns damit auseinander setzen, dass jeder von uns das auf seine ganz eigene Weise betrachtet und bewertet, dass wir Kimon gehen ließen…….

Was uns alle eint ist, dass wir ihn furchtbar vermissen!!!!

Ruhe in Frieden, du ganz besonderer Freund und unser geliebter Wegbegleiter, von und mit dir haben wir soooooo viel gelernt. Wir sind so unendlich Dankbar, dass du uns so lange Jahre ein so treuer Freund warst.
Ruhe in Frieden, geliebter Kimon!

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