Umgang mit Wut, Lehrstunde heute……

Ja, heute war ein interessanter Tag.

Erst war die Pflegefrau da, wir haben Kisten gepackt, dann kam der Anruf der Physiotherapie-Praxis.
Dann war erstmal das große Heulen angesagt und Wut kochte hoch.
So intensiv habe ich Wut noch nie vorher wahrgenommen.

Es fielen Sätze in Innen, die ICH lieber nicht wieder geben möchte.
Es gab auch wie immer, die Innens die eine immense Angst vor der Wut, vor der Strafe wegen der Wut haben…..
Und so pendelten wir heute hin und her……

Zwischen Wut und Zoern, die raus wollte, sich ausdrücken wollte…….Enttäuschung und Trauer, nicht mehr zu den wirklich guten Physiotherapeutinnen gehen zu dürfen………
Und Angst vor der Wut im Innen und was passieren könnte, wenn man diese raus lässt.

ICH weiß, dass der Artikel „Physio Schock“, den ein Revoluzzer-Wütend Anteil geschrieben hat, etwas sehr überzogen war. Vor allem am Schluss, als die Selektion ins Spiel kam.

Ich überlegt kurz, ob ICH Zensur ausüben sollte, beschloss dann aber, dass jene Anteile jetzt mal so richtig Dampf ablassen und die Sau rauslassen dürfen.
Denn viel zu selten wird hier so richtig jemand wütend.

ICH wollte, dass jene Wütenden die Erfahrung machen dürfen, dass sie wütend sein dürfen, ihre Wut rauslassen dürfen auch wenn sie völlig überzogen ist und dass diejenigen die solch eine Angst vor der Wut haben sehen, dass nichts schlimmeres passiert, als dass von Menschen die es gut mit uns meinen, die Rückmeldung kommt „ich verstehe euern Ärger, es ist diskriminiertend, eure Wut ist berechtigt, aber für das HEUTE vielleicht einen Ticken too much, gehört da nicht auch was von der Wut ins damals?“

Und so pendelten wir zwischen Wut und Kisten einpacken und heulend am Tisch sitzend, unfähig auch nur den Kaffee auszutrinken, abgelöst wieder von der Wut, auf die wieder das große Heulen folgte…….

Und wir waren gerade dabei uns zu beruhigen, als gegen 18 Uhr 20 ungefähr ein weiterer Anruf von der PhysioPraxis kam, diesmal der Chef höchstselbst, der nochmal eindrücklich klarstellen wollte, dass wir ohne Maske nicht mehr behandelt werden in seiner Praxis und „dass er es ohnehin nicht verstehen könne dass Ärzte so lustig seien und einfach solche Atteste schreiben“.
Genau an dem Punkt platzte dann jemand raus, der den doofen Typen angeschrien hat am Telefon. Wie er dazu käme zu unterstellen, dass Ärzte aus Jux und Dollerei Atteste ausstellen und ihm wurde entgegen gebrüllt, weswegen wir keine Maske tragen können und dass wir das nicht aus Spaß nicht tun oder weil wir keinen Bock haben oder grundsätzlich die Maßnahmen ablehnen. Es war ihm dennoch egal.

Ohhh, da kochte die Wut nochmal so richtig hoch, ich trau mich gar nicht zu schreiben, was manche der Innen ihm an den Hals gewünscht haben, nachdem das Telefonat beendet war.

Blöd war, wir waren gerade dabei gewesen uns zu beruhigen, aber nach diesem Telefonat ging es natürlich wieder los mit Heulen und vor Wut toben im Wechsel.

Für MICH war es spannend, aber auch furchtbar anstrengend das wahrzunehmen und zuzulassen. Sowohl die Wut da sein zu lassen, als auch die Enttäuschung und die Angst, immer im Wechsel. Ganz bewußt nichts wegzudrücken sondern die ganze Palette einmal durch erleben bis sie ab ebbt.

Inzwischen ist sie abgeebbt.
Die Revoluzzer wollen sich immer noch wehren, an anderen Stellen. Sachlich. Ohne die überschießende, alles vernichtende und ebenfalls zur Ungerechtigkeit neigende Wut die Dinge unterstellt die so einfach nicht wahr sind. Ganz sachlich betrachtet.
Jetzt, nachdem sie ausreichend Dampf ablassen durften, können sie konstruktiv und sachlich sich an den richtigen Stellen beschweren……

Und die ängstlichen, die solche Angst vor der Wut haben, haben gesehen dass niemand uns die Freundschaft gekündigt hat, obwohl die Revoluzzer einen ziemlich ungerechten Beitrag geschrieben hatten. Die Revoluzzer wurden nur drauf hingewiesen, ob dieses Maß an wut für das was HEUTE passiert ist, angemessen ist, oder ob da Wut ins Damals gehört.

Niemand hat gesagt, dass er nichts mehr mit uns zu tun haben will. Es ist nichts schlimmes passiert. Revoluzzer haben sich im Blog ausgekotzt und es ist nichts schlimmes passiert.

Eine sehr wertvolle Erfahrung.

Auch für mich sehr wertvoll, dass es geht, beobachtend zuzuschauen, wahr zu nehmen und zu zulassen. Auch wenn es immens Kraft und Energie kostet.

Zu sehen wie die überschießende Wut sich ändert und konstruktive Ideen zum Vorschein kommen, wie man sich sinnvoller wehren kann als nur laut rauszuschießen und selbst ungerecht zu werden.

Etwas doof war jetzt einfach der Zeitpunkt. In den Phsen der Wut haben wir zwar die Wut-Energie genutzt und ein paar Kisten zu packen, doch durch die Phasen des heulens und Zähneklapperns bei weitem nicht so viel, wie es hätten sein können.

Am Donnerstag ist Umzugstag,
Wir werden es dennoch schaffen, bis dahin fertig gepackt zu haben……hoffe ich mal.

Ansonsten müssen wir halt ein paar wenige Kartons im Nachgang noch selbst fahren, aber das wäre ok.
Und ab Donnerstag Nachmittag sind wir in der neuen Wohnung, können uns auf die Terasse setzen und Vögel beobachten, die Enten in der Nachbarschaft hören, morgens den Hahn hören. Uns über den Garten freuen, Rasen mähen und ganz in ruhe auspacken und uns einrichten.

Und dann eine Physio Praxis suchen, die uns behandelt auch ohne dass wir Maske tragen müssen.
Wir werden so lange suchen, bis wir eine gefunden haben….

Und jetzt bin ich müde und geh schlafen……
Morgen kommt die Ergo und hilft nochmal beim packen….
Das wird schon.

Und nein, wir denken nicht alle so, dass das gewollt ist um zu Selektieren. Der PhysioChef hat einfach Angst, dass die Praxis komplett in Quarantäne muss, wenn irgendwie der Virus dort aufschlagen sollte. er hat auch nur Angst, deswegen verhält er sich so. Richtig ist es dennoch nicht.
Aber wirklich richtig war auch nicht, was die Revoluzzer in ihrem Wut-Beitrag geschrieben haben.

Schön, dass nun endlich wieder Ruhe eingekehrt ist.

8 Kommentare zu „Umgang mit Wut, Lehrstunde heute……

  1. Das freut mich sehr ❤
    Solche Erfahrungen tun auch uns gut.
    Ich drücke Euch ganz dolle die Daumen, dass nun weiter alles läuft.
    Und ihr bald glücklich auf eurer Terasse sitzt.

    Bei uns hier ist es zum Glück tatsächlich so, dass weder der Osteopath, noch die Thera und die Physio vom Mann mit Maske arbeiten.
    Hier darf man atmen.
    Vielleicht gibt es ja auch bei Euch mehr ohne Maske, als ihr zu hoffen wagt.
    Alles Liebe ❤

    Gefällt 2 Personen

  2. Huhu Scherbensammlerin,

    also so schlimm, war der Beitrag der Revoluzzer eigentlich nicht – finden wir. Wir denken, dass sie es sehr persönlich nehmen und Angst haben, keine Behandlung mehr zu bekommen.

    Huhu Revoluzzer (irgendwie mögen wir den Ausdruck – klingt nach die Helden, die trauen sich zu wehren und neue Wege zu beschreiten), wir hoffen, dass ihr nicht die Mitarbeiter hinter verschlossener Tür danach fragt ohne Maske zu arbeiten. Das halten wir für keinen guten Rat. Ob ihr das nun macht oder nicht, bleibt natürlich eurem System überlassen. Lasst uns das erklären:

    Es ist nämlich so, dass sie (die Mitarbeiterinnen) sich dadurch zwischen der Anweisung ihres Chefs und eurem Wunsch entscheiden müssten. Wenn ihr die beiden lange kennt, dann werden die beiden euch wahrscheinlich auch ins Herz geschlossen haben – so wie ihr sie. Sie werden also weder euch verletzen wollen, noch ihren Job in Gefahr bringen wollen, denn das ist das, was sie machen würden, wenn sie ohne Maske arbeiten. Sie würden bewusst gegen die Anweisung ihres Chefs handeln.

    Wir wissen nicht, wie der Chef am Telefon mit euch umgegangen ist und wie er tickt, wissen wir auch nicht. Aber uns fällt durchaus ein, weshalb er die Behandlung mit Maske nicht durchführen wollte. Er als Chef ist für die Sicherheit seiner Mitarbeiter verantwortlich, wenn diese ausfallen, dann macht er Verluste. Und weil dann über die Mitarbeiter auch andere angesteckt werden könnten (Mitarbeiter und Patienten), würde er auch seine Existenz gefährden – damit aber auch die aller Mitarbeiter. Er müsste dicht machen für den Zeitraum, den die Behörden bräuchten, um zu klären, ob er versäumt hat, Schutzmaßnahmen zu ergreifen – falls sein Unternehmen mit einer Infektion in Verbindung gebracht wird. Und ohne Maske seid ihr nunmal gefährdeter als andre Personen euch anzustecken und den Erreger zu verbreiten.
    Gerade im Physiobereich werden besonders gefährdete Menschengruppen behandelt, da viele ein geschwächtes Immunsystem haben. Das Ansteckungsrisiko ist also höher und der schlimmere Verlauf wahrscheinlicher. An diesen Tatsachen ändert leider auch ein Attest nichts. Da ein Physiounternehmen der Privatwirtschaft angehört, ist er auch nicht zur Behandlung verpflichtet.

    Es ist ein Jammer, dass ihr die Maske nicht tragen könnt. Wir kennen andere, die es auch nicht können. Also versteht uns nicht falsch: Wir halten es für wichtig, dass es solche Atteste gibt und wir glauben euch, dass ihr die Masken nicht tragen könnt und dass das nichts mit wollen zu tun hat.

    Es tut uns leid für euch, dass ihr neue Therapeuten suchen müsst. Wir hoffen, dass ihr das Verhalten des Chefs mit der Erklärung etwas weniger persönlich nehmen könnt, was euch widerfahren ist. Wir drücken euch die Daumen, dass ihr eine Praxis findet, die euch ohne Maske behandeln mag – man muss zwar suchen, aber die gibt es bestimmt – manchmal liegt es auch an der Organisation der Praxis. Könnt ihr vielleicht als Letzter Kunde kommen, dann ist die Desinfektion einfacher usw. Versucht mit den Praxen vor Ort zu verhandeln – vielleicht Hilft euer Hausarzt (wir meinen den, der das Attest ausgestellt hat) oder Therapeutin euch, indem sie den ersten Termin verhandeln. Wenn ein Arzt oder eine Therapeutin anrufen, ist es für die Unternehmen noch mal was anderes (Das ist übrigens etwas, was uns total aufregt….aber euch hilft es vielleicht eine Behandlung zu bekommen. ).

    Lieben Gruß von uns

    Gefällt mir

    1. Hallo,
      nein wir haben die Mitarbeiter nicht gefragt ob sie uns hinter verschlossener tür ohne Maske behandeln. Das wäre nicht fair.
      Wir hatten ja auch von Anfang an mit offenen Karten gespielt, eine Kopie des Attestes lag für jedemann sichtbar in unserer Akte. Deswegen verstehen wir nicht, warum es wochenlang ohne Maske ging und dann auf einmal nicht mehr. Denn an den Eigenschaften des Virus, an der Ansteckungsmöglichkeit und an den Quarantänebedinungen im Falle einer Infektion hat sich ja in all den Wochen nichts verändert, das war ja von Anfang an so. Also deswegen für uns nach wie vor unverständlich.
      Das Attest haben wir übrigens von unserer Psychiaterin bekommen.
      Inzwischen haben wir eine neue Physio-Praxis. Der erste termin wurde von unserer Thera ausgemacht und auch gleich geklärt, dass wir beim durchqueren der Praxis das Visier tragen, aber während der Behandlung gar nix. Und das ist ok dort.
      Hoffen wir mal dass sich das nicht in ein paar Wochen wieder ändert aus nicht nachvollziehbaren Gründen…..
      Liebe Grüße 🙂

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