ABC-Etüden: Teppich – gläsern – flattern 2

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Eines Tages rief die Mäusedame ganz aufgeregt nach ihrem Gatten.

„Schau mal, was ich hier gefunden habe“, rief sie ihm zu, „gläserne Fäden!“

Gatte Mäuserich rieb sich verwundert das Kinn und fragte: „Ja und was ist daran so wunderbar?“

Seine Angetraute hauchte voller Entzückung: „Wenn wir diesem zweibeinigen Riesen etwas schönes daraus weben, meinst Du wir bekommen dann eine außergewöhnliche Delikatesse als Belohnung?“

Gatte Mäuserich brummte, dass dies durchaus einen Versuch wert sei und machte sich auf die Suche nach Material, welches er dazu verwenden könne, einen Webrahmen zu erstellen.

Er wurde fündig. Er legte zwei Reihen Reißzwecken mit der Nadel nach unten und trieb jede einzelne mit einem Sprung darauf in die Erde. So ward das Grundgerüst des Webrahmens geschaffen.

Freudig machte sich seine Frau an die Arbeit.

Als die Mäusedame fertig war, schoben Herr Mäuserich und seine Liebste, mit vereinten Kräften ihr Webwerk unter dem Türspalt durch und fiepten und scharrten an der Türe, um mich auf ihr Kunstwerk aufmerksam zu machen.

Die beiden veranstalteten solch einen Radau, dass mir die Nerven flatterten und ich befürchtete, ihnen könne schlimmes zugestoßen sein.

Ich sprang von meinem Sofa auf, natürlich barfuß, und rannte zur Rumpelkammer, um dem Mäusepaar zur Hilfe zu eilen.

Knirsch!

Ich trat auf diesen wunderschönen Teppich, den mir die Nager voller Begeisterung vor die Türe geschoben hatten und meine Fußsohle war gespickt mit allerkleinsten Scherben.

Wütend humpelte ich zurück, ergriff eine Pinzette und zupfte die unzähligen gläsernen Splitter aus meiner Sohle.
Dabei kam mir eine Idee.
Gespickten Hasenbraten hatte ich schon lange nicht mehr gegessen!


Durch diesen Einfall mit der Welt wieder versöhnt, beschloss ich, jenen Braten am nächsten Tage herzustellen und meinen Mitbewohnern ein kleines Stückchen davon abzugeben!

Ob sie sich wohl darüber freuen würden?

289 Wörter

8 Kommentare zu „ABC-Etüden: Teppich – gläsern – flattern 2

  1. Au, au, au, au, au! Ich weiß nicht so recht, über was sich Mäuse so freuen, aber ich weiß, dass ICH mich eher auf der Couch sitzen sehe und Splitter aus meinem Fuß klauben … 😉
    Aber gläserne Fäden sind schon eine tolle Sache …
    Liebe Grüße
    Christiane 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Irgendwie ist das echt spannend, und auch lustig. Zu den Mäuschen schießt eine Idee, diese hackt sich dann in die Tastatur und innerhalb von 10 oder 15 minuten ist die Geschichte fertig. Scheint wohl einen Schriftsteller bei uns im System zu geben 😉
      Ein Helfermensch meinte heute schon, wir müssten noch mehr Mäusegschichten schreiben und dann ein Kinderbuch damit veröffentlichen *schock*…….das ist dann wohl doch etwas zu weit hergeholt…..

      Gefällt 2 Personen

      1. ‚Zu weit hergeholt‘ sind alle Sachen, vor denen man sich fürchtet. Wenn man sich drübertraut, wächst man ganz natürlich hinein. Wenn’s einem nicht gut geht, kann man nichtmal eine Etüde hinbekommen – das ist normal, also für mich halt … 😉
        Für aufwendigere Sachen wie ein Buch braucht man manches Mal mehrere Anläufe und ev oftmaliges Überarbeiten oder/und einen guten Lektor – aber wenn die Geschichten einmal da sind, braucht man sie ja nur mehr miteinander zu verknüpfen und aneinander zu reihen.
        Kommt Geschichten, kommt Buch … 😉

        Gefällt 1 Person

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