Weihnachten…….

Wir wussten schon immer dass Weihnachten schwierig ist.
Wir erinnern uns zwar nicht wirklich als vollständige Erinnerung an ein bestimmtes Weihnachten, es gibt da nur verschiedene Fragmente…….vermutlich aus diversen Weihnachten.

Es gibt die Erinnerung an kratzige Strumpfhosen, neue Unterwäsche oder Schlafanzüge für uns, während die Geschwister Spielsachen und andere hübsche Dinge bekamen.

Wir erinnern dass wir immer den Baum schmücken sollten und es nie richtig machten was Streit und/oder Schläge zur Folge hatten.

Wir erinnern das Weihnachten immer mit viel viel Angst verbunden ist.

Später, als wir selbst Kinder hatten, da haben wir Weihnachten aus Pflichtbewußtsein den Kindern gegenüber gefeiert. Wir fühlten uns im Innen nie wohl damit, aber wir kauften oder bauten selber einen Weihnachtsbaum, die Kinder durften ihn schmücken uns so wie er war, war er perfekt! Auch wenn nur die eine hälfte des Baumes die Lichterkette hatte, so wie die Kinder ihn geschmückt hatten, so blieb er……

Wir freuten uns darüber dass die Kinder sich freuten über ihre Geschenke, wenn wir selbst was geschenkt bekammen hatten wir ein flaues ungutes Gefühl im Magen und haben Freude eigentlich nur vorgetäuscht, denn in Wirklichkeit war da nur Angst……
Doch wir wußten nie weswegen…….
Denn das, was wir erinnern von Weihnachten aus unserer Kindheit, das ist nicht genug um diese Angst und dieses Unwohlsein zu rechtfertigen……

Als wir dann nach Bayern zogen, wurden wir Weihnachten, also hl. Abend und 1ter Weihnachtsfeiertag immer von Freundin eingeladen, weil sie nicht wollte dass wir alleine sein müssen an den Tagen.
Am 2ten Weihnachtsfeiertag sind wir morgens 3 Stunden nach Ba-Wü gefahren, haben die leiblichen Kinder besucht und sind abends wieder 3 Stunden zurück gefahren. Und das auch nur aus Pflichtbewußtsein.

Am 27ten Dezember kam vor 4 Jahren dann unser behinderer Enkel zur Welt.
Seinen Geburtstag zu feiern ist uns eine Herzensangelegenheit. Denn auch wenn sein Gendefekt an sich nicht lebensverkürzend ist, so sind es die Begleiterkrankungen dieses Gendefekts durchaus und das erste mal Spitz auf Knopf stand es um ihn, da war er gerade mal 9 Monate alt. Inzwischen war er schon mehrfach in lebensgefährlichen Zuständen, so dass jeder einzelene Geburtstag den wir mit ihm erleben und feiern dürfen, einfach eine Herzensangelegenheit ist.

Letztes Jahr sind wir bereits vor hl. Abend dort gewesen und insgesamt 10 Tage geblieben. Das war definitiv too much für uns.
So haben wir dieses Jahr beschlossen, erst an hl. Abend hin zu fahren, die ersten beiden Nächte bei Tochter zu schlafen und die anderen beiden Nächte in einem Hotel um dann am 28ten Nachmittags wieder nach Hause zu fahren.
Das erschien uns ein selbstfürsorglicher und guter Kompromiss zu sein.

Am Dienstag bei der Pferdefrau platzen dann Scherben raus die bitterlichst weinten und sagten, dass sie Weihnachten hassen, dass sie solch eine Angst davor haben, dass sie keine Lust mehr haben sich diesen emotionalen Stress nur aus Pflichtbewußtsein der Tochter und den Enkeln gegenüber an zu tun. Dass sie Weihnachen zu Hause bleiben wollen, die Decke über den Kopf ziehen, weinen und einfach vergessen dass Weihnachten ist.
Dass sie aber dann gerne am 26ten fahren, da sei ja auch NOCH Weihnachten, um den Enkeln ihre Weihnachtsgeschenke zu bringen und noch ein „bißchen“ Restweihnachten mit ihnen zu haben, dann im Hotel, das ja bereits gebucht ist, zu schlafen um am nächsten Tag fit zu sein für den 4ten Geburtstag. Sich da dann vielleicht nicht bei der geplanten Party irgendwann raus nehmen zu müssen, weil einfach dieser Druck von Weihnachten zu Hause rausgeheult werden konnte und man dann wirklich befreit dabei bleiben kann weil es wirklich NUR Geburtstag des Enkels ist und man sich freut dass er dieses Jahr zum ersten mal eine RICHTIGE Party bekommt. In einer extra angemieteten Lokation mit vielen Gästen. Geplant maximal 3 Stunden um die Kinder nicht zu überfordern. Und wenn wir uns den Innenstress wegen Weihnachten nicht antun, nur aus Pflichtbewußtsein, dann schaffen wir es vielleicht sogar die ganzen 3 Stunden Party dabei bleiben zu können.

So der Wunsch von recht vielen im Innen.
Andere wiederum, gerade die Pflichtbewußten sagen, dass wir das nicht tun können, dass Tochter traurig sein wird, die Enkel vielleicht auch……und dass wir das nicht bringen können, hl Abend doch nicht zu kommen sondern erst am 26ten……..

ICH, Körperfrau, weiß ganz genau dass Tochter traurig wäre wenn wir ihr mitteilen würden dass wir beschlossen haben erst am 26ten zu kommen. Aber sie wäre nicht nur traurig weil wir hl. Abend nicht da sind, sie wäre auch traurig weil Weihnachten für uns immer noch sooooo schlimm ist. Obwohl wir ihr und ihrem Bruder so viele wirklich schöne Weihnachten beschert haben, dass von diesen Weihnachten bei den Innenkindern und Jugendlichen nichts ankam, dass diese immer noch sooooo Angst haben und es wenigstens EINMAL einfach auslassen und vergessen wollen. Den Schmerz rausheulen dürfen ohne sich zusammenreissen zu müssen, ohne dass jemand dabei ist und es sieht, ohne sich schämen zu müssen. Und sie würde es verstehen! ICH weiß es genau dass sie es verstehen würde und sagen würde „schade dass ihr dann nicht da seid an hl Abend, aber ich verstehe das und wir feiern dann am 26ten Weihnachten und am 27ten Geburtstag, und vielleicht tut euch das gut so, vielleicht ist Weihnachten nächstes Jahr dann nicht mehr ganz soooo schlimm und vielleicht wirds dann auch jedes Jahr ein bißchen besser. Ich bin zwar traurig, aber ihr müsst das tun was für euch richtig ist, ihr habt schon viel zu viel nur aus Pflichtbewußtsein getan…..“, so würde sie bestimmt sprechen.
Aber dennoch trauen wir, traue ICH mich nicht, ihr das zu sagen. Dass sich fast alle in uns dagegen wehren am hl Abend bereits dort zu sein. Dass als Zugeständnis die Bereitschaft da ist, noch einen Tag hintendran zu hängen, dann noch eine Nacht bei ihr zu übernachten und erst am 29ten nach Hause zu fahren, aber dass es dieses Jahr einfach nicht geht, dass wir dieses Jahr so bewußt wahrnehmen dass es nicht geht, und dass wir uns selber darin ernst nehmen wollen.

Obwohl wir wissen, dass sie es verstehen wird…….wir trauen uns nicht, es ihr zu sagen!
Jämmerlich!!!
Wir würden uns lieber wieder selber „vergewaltigen“ damit sie nicht traurig ist. Dabei ist es doch ok wenn sie traurig ist, das darf sie sein, das steht ihr zu. Sie darf es auch zum Ausdruck bringen……..
Das Problem ist dass wir, dass ICH es nicht aushalten kann wenn sie traurig ist. Dass irgendjemand in uns das sofort nutzen wird um mir beständig mitzuteilen, ins Ohr zu brüllen was für eine miserable Mutter und Oma ich bin, selbstsüchtig und egoistisch und keinen Deut besser als die eigene Erzeugerin. Und alles entgegenzusetzende „das stimmt nicht!“ würde dort nicht ankommen…….

Und so zerreisst es uns innerlich. Immer wieder schießen die Tränen in die Augen.
So viel Verzweiflung darüber was wir denn nun tun sollen…….

Bei unserem Telefondate am Donnerstag haben wir nichts gesagt, weil wir uns nicht trauten.
Heute haben wir wieder Telefondate und wenn wir wirklich für uns sorgen wollen und erst am 26ten fahren wollen, dann sollten wir es ihr heute sagen.
Und obwohl ICH weiß dass die Angst im Innen vor Ablehnung völlig unbegründet ist…….es tobt dennoch ein Orkan!!!!

What the hell shall i do?????

3 Kommentare zu „Weihnachten…….

  1. Ich denke: Funktional ist funktional. Ein „Muss halt“ ein altes sosein, wie man euch haben wollte.
    Aber jetzt….könnte es anders sein. Ihr könntet und ihr dürftet auf eure Bedürfnisse hören.
    Oder sagen wir…auf die Mehrheit?
    Manchmal richten wir unsere Entscheidungen nach der Berechnung des Größeren oder Kleinen Übels…. Nicht gerade das Beste…aber immerhin.
    Was wäre schlimmer, was wäre schwerer auszuhalten? Funktional zu sein oder zu hause zu bleiben? Das faktische Funktional-sein zählt nicht. Das da sein ohne Gefühl, den das können wir doch alle gut. sondern unter Berücksichtigung der Innenfaktoren!
    Ein Orkan weht so oder so. Die Frage ist nur, welche Stärke muss er erreichen?

    Ich wünsche euch ganz viel Mut eine Entscheidung zu fällen

    Gefällt 1 Person

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