Vertrauen 02

Den ersten Beitrag hatte ich gestern spätnachmittag/früher Abend geschrieben und just in dem Moment als ich ihn online stellen wollte rief Tochter an……

Der ältere Sohn meiner Tochter hat einen sehr sehr seltenen Gendefekt und ist schwer behindert. Ein Symptom dieses schweren Gendefekts ist, dass er nicht selber essen kann und deshalb über eine Magensonde durch die Bauchdecke (PEG) mittels einer Ernährungspumpe ernährt wird. Weiteres Symptom ist dass er sehr sehr schwere Epilepsie hat. Die Öffnung in der Bauchdecke durch die der Ernährungsschlauch austritt muss jeden zweiten Tag gründlich gesäubert werden und Enkel findet das natürlich nicht so toll. Er ist jetzt 3,5 Jahre alt. Und weil er nicht ruhig liegen bleiben will und sich gegen das säubern wehrt ruft Tochter mich an und ich lenke übers Telefon Enkel ab.

Gestern war also wieder PEG-Tag und ich lenkte Enkel ab und begleitete am Telefon das ins Bett bringen und als er schlief telefonierten Tochter und ich über dies und das weiter und es war so toll harmonisch und liebevoll und einfach ein wunderbares Telefonat und ruckzuck war es halb zwei Uhr nachts.

Ich musste dann noch mit Hund raus und konnte dann nicht einschlafen und um vier Uhr heute morgen war ich noch wach, muss aber kurz danach endlich eingeschlafen sein.

Kurz vor 6 Uhr heute morgen klingelte mein Handy. Melodie von Kill-Bill. Das ist die Melodie nur für Tochter. Die reißt mich aus dem komatösen Tiefschlaf denn wenn sie zu solchen Uhrzeiten anruft dann ist Not am Mann. Das ist ganz tief verankert in uns, diese Melodie ist das einzige wovon wir IMMER aufwachen.

Ich ging also ran und Tochter weinte, Enkel hatte 39,9 Grad Fieber und eigentlich sollte er ab 38 Grad bereits Fiebersenkende Medikamente bekommen weil sonst die Gefahr eines Krampfanfalls extrem hoch ist. Und die letzten male wenn er durch Fieber bedingt einen Krampfanfall hatte, war dieser begleitet von einem minutenlangen Atemstillstand so dass der Notarzt kam und Enkel dann stationär in die Klinik musste. Verständlich also dass Tochter in heller Aufruhr war und sich Vorwürfe machte dass sie es nicht früher bemerkt hat dass Enkel so fiebert.

Erstens ist das Nachts nicht so einfach mitzubekommen wenn ein Kind im Schlaf das fiebern anfängt, zweitens hat sie ja auch noch den Kleinen der jetzt 3 Monate alt ist und gestillt wird und da kann einem das als Mutter nunmal so gehen beruhigte ich sie und dass sie sich jetzt keine Vorwürfe zu machen braucht.

Verständlicherweise hatte sie Angst dass der Große Krampfen könne mit Atemstillstand weil das Fieber bereits so hoch war und ihr Mann war bereits bei der Arbeit und sie könne mit der Angst jetzt nicht alleine bleiben, das würde sie nicht aushalten und sie wisse dass ich vermutlich noch nicht lang geschlafen habe, aber ob ich bitte mit ihr am Telefon bleibe so lange bis das Fieber vom Großen wieder unter 38 Grad ist.

Klar machen wir das! Vor Müdigkeit lallend haben wir dem Großen am Telefon vorgesungen, Tochter hat ihm vorgesungen, wir haben abwechselnd mit ihm geredet und gesagt dass wir wissen wie schlecht es ihm gerade geht, dass wir aber da sind und dass seine Mama alles macht um ihm zu helfen dass es ihm schnell wieder besser geht und dass er ein tapferer Kerl ist und und und.

Glücklicherweise hat der kleine Enkel tief und fest geschlafen weil er erst kurz vorher gestillt wurde. Wenn der kleine auch noch geweint hätte, das wäre echt blöd gewesen weil unglaublicher Stress für Tochter. Es war so schon Stress genug für sie…….

3 Stunden und 2 Fiebersenkende Medikamente später war das Fieber endlich unter 38 Grad und Enkel an einem Punkt wo er auch endlich wieder einschlafen konnte, völlig fertig und erschöpft.

Ja, auch das ist Vertrauen. Vertrauen von Tochter dass ich für sie da bin wenn es klemmt, obwohl wir 250 km entfernt voneinander wohnen. Vertrauen auch von Enkel dass die Oma für ihn da ist wenn er es braucht, übers Telefon zu jeder Tages- und Nachtzeit. Vertrauen das mir/uns nicht nur entgegen gebracht wird weil wir genetisch die Mutter und Oma sind, sondern weil sie WISSEN dass wir jederzeit ein offenes Ohr für sie haben und alles in unserer Macht stehende für sie tun auch über die Entfernung hinweg, einfach weil wir sie lieben. Und weil sie uns lieben. Bedinungslos. So wir wir sind, als Viele-System.

Und wir können Tochter Vertrauen. Sie nimmt uns wirklich so wie wir sind, ist da wenn wir es brauchen. Hat auch schonmal Stunden mit einer weinenden Kleinen telefoniert. Sie bemerkt teilweise switches wo wir sie nicht bemerken und fragt dann einfach „jetzt hab ich grad jemand anderes am Telefon, mit wem sprech ich denn jetzt?“ und meist kommt dann ein „sag ich nicht“ und wir switchen zurück. Und manchmal wird aber auch gesagt wer jetzt gerade da ist und Tochter telefoniert dann total normal einfach mit betreffendem Anteil weiter. Das ist so ein Geschenk!

Vertrauen!

Das was wir uns von unserer Herkunfstfamilie gewünscht hätten, was wir gebraucht hätten und nie bekommen haben, das dürfen wir nun mit Tochter und Enkeln leben……

Auch da eine wunderschöne Erfahrung von Vertrauen!

5 Kommentare zu „Vertrauen 02

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.