Vertrauen 01

Heute zum ersten mal Pferdegestützte Therapie.

Nach etwas Eingangsgeplänkel, sprich Fragen die sie hatte wie sie mit uns umgehen darf wenn wir dissoziativ sind oder gar im stupur, Fragen dazu wie es uns heute geht (den Backround wusste sie bereits von Frau Therapeutin, das war auch so abgesprochen) und so weiter.

Danach erzählte sie ein wenig wie der respektvolle Umgang mit den Pferden auf ihrem Hof aussieht (das ist ein alternativer Hof, da leben die Pferde natürlich in der Herde und nicht in einzelnen Boxen) und dass sie sich wünschen würde dass ich mich erst etwas Erde bevor ich zu einem Pferd hingehe und zeigte mir, wie sie das macht.

Dann zeigte sie mir eine weiße Stute die allein auf einer kleinen schmalen Koppel graste. Sie erzählte mir, dass diese Stute bereits 32 Jahre alt ist, inzwischen komplett erblindet ist und oben auch keine Zähne mehr hat. Dass sie früher schon immer ein gemütliches ruhiges Pferd gewesen war und jetzt natürlich noch ruhiger wäre. Und langsam, weil sie ja nichts mehr sieht.

Und sie bat mich, mal alleine zu der Stute hin zu gehen, Kontakt mir ihr aufzunehmen und vielleicht könnte ich sie auch dazu bewegen, sich nach vorne Richtung Gatter zu bewegen, da sie sich ziemlich weit hinten auf dieser schmalen Koppel befand. Sie (Die Pferdefrau) würde sich kurz um was kümmern müssen, käme aber gleich wieder und würde dann ca in der Hälfte der Koppel warten bis ich ihr ein Signal gebe dass sie sich nähern darf…..

Ok. Stimmen im Innen von „wie toll dass wir das dürfen“ über „Hallelujah unser letzter Pferdekontakt war vor ich weiß nicht wann und jetzt sollen wir ein BLINDES Pferd, OHNE Hilfsmittel dazu bewegen mit uns mit zu kommen?“ aber auch „Oweia ist das Pferd groß, wenn es nichts mehr sehen kann dann kann es doch auch auf uns drauf trampeln….“ und auch „hoffentlich blamieren wir uns nicht bis auf die Knochen, das ist bestimmt ein Test“ und ein “ Wie schööööön, endlich darf ich mal wieder zu einem Pferd, es riechen, es streicheln, mich anlehnen, es lieb haben….“

Nun gut, wir haben die mutigen vor gelassen, und sind in die Koppel rein, haben das Gatter hinter uns geschlossen, sind ein paar Schritte Richtung Pferd gelaufen und dann stehen geblieben und haben erst mal versucht uns zu Erden, so wie es die Pferdefrau gezeigt hatte. Es wurde ruhiger im Innen. Dann sind wir langsam weiter in Richtung der Stute gelaufen und haben immer mal wieder geschnalzt damit sie hört dass sich jemand nähert.

Ungefähr 1 meter vor ihr haben wir sie dann leise angesprochen und sie hob ihren Kopf und schnupperte an unserer Hand. Dann graste sie weiter und beachtete uns gar nicht. Also blieben wir erst mal stehen, schauten ihr zu, versuchten nochmal uns zu Erden. Dann haben wir wieder leise gesprochen, sind neben sie gegangen und haben angefangen ihr über den Rücken zu streicheln. Sie ließ sich das ein klein wenig gefallen, dann machte sie forsch einige Schritte nach vorn. Es fühlte sich für uns an als ob sie sagen wolle, das ist mir zu nah, bleib auf Abstand!

Also sind wir 3 Schritte zurück und haben sie beobachtet wie sie grast. Und haben geschaut welches Gras sie bevorzugt. Und dann haben wir genau nach diesem Gras gesucht und es abgerupft und ihr aus der Hand angeboten. Sie hat es tatsächlich angenommen, also haben wir weiter Gras gerupft und ihr immer wieder hingehalten. Und jedesmal wenn wir ein oder zwei Schritte Richtung Gatter gemacht haben um neues Gras zu rupfen folgte sie uns. Die letzten 4 meter zum Gatter hin ist sie sogar ohne Gras mit uns mitgelaufen. 🙂

Am Gatter wartete die Pferdefrau mit dem Halfter, legte es ihr an und sagte dass wir die Stute nach vorne zu den Stellplätzen fürs Striegeln führen sollen und sie da fest machen. Und dann haben wir die Stute gestriegelt, wir auf der einen Seite und die Pferdefrau auf der anderen Seite. Wir haben unseren Kopf an den Hals der Stute gelegt und stille Zwiesprache mit ihr gehalten, das war soooooo schööööön!!!

Und dann stand die Pferdefrau mit einem Hufkratzer neben uns und hat uns am Vorderhuf hezeigt wie man Hufe auskratzt. Und dann drückte sie uns den Hufkratzer in die Hand und meinte wir könnten ja mal versuchen die anderen Hufe auszukratzen. Ok……

Beim ersten Hinterhuf hat es ganz gut funktioniert, beim zweiten Hinterhuf waren dann plötzlich kleine da die Angst hatten. Das spürte die Stute und war nicht bereit ihren Huf herzugeben. Dann hab „ich“ mit ihr gesprochen:“Ja gell, du bist blind, kennst uns nicht und sollst uns Vertrauen und dir die Hufe auskratzen lassen und wir sind unsicher gerade und das merkst du. Wir sind grade unsicher weil du uns ja auf den Fuß stehen könntest, aber das machst du sicher nicht. Auf jeden Fall sind wir gerade unsicher.“

Und wie „ich“ so sprach kam Vertrauen in uns selbst zurück, dass wir das hinbekommen können. Den anderen Hinterhuf hatten wir ja auch schon hinbekommen. Und so war es dann auch, wir haben den Hinterhuf und auch den anderen Vorderhuf ausgekratzt und waren stolz und glücklich. 🙂

Große Lektion in Vertrauen heute!

Die Pferdefrau vertraute uns, und wir vertrauten der Stute und die Stute uns. Und wir uns selber auch, mit kleinen Einbrüchen, die wir aber, so finde „ich“ ganz gut gemeistert haben.

Vertrauen…….großes Thema heute bei uns. Kann sein dass dazu noch ein Beitrag folgt…

7 Kommentare zu „Vertrauen 01

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