Angst vs. Vertrauen

Es ist soooooo viel in Bewegung. So viel das ängstigt, aber es keimt auch wieder etwas Hoffnung auf, dass Vertrauen vielleicht irgendwann möglich sein kann.

Vertrauen nach außen, und Vertrauen vom Innen.

Am Donnerstag hat Tamara versucht zu schützen. Zu schützen aus Angst. Aus Angst vor Verletzung. Die Tatsache dass unsere ehemalige langjährige Kliniktherapeutin die DIS bei uns als Diagnose ablehnt, die Innens als Ausdruck der Borderline-Struktur sehen will, nicht wahr haben will dass es bei uns anders ist, obwohl sich ein Anteil, Juli, sich ihr in einem Klinikaufenthalt deutlich zeigte, diese Tatsache macht vielen von uns, aber vor allem Tamara sehr sehr schwer zu schaffen.

Tamara sieht sich bestätigt in dem „früher oder später werden wir IMMER abgelehnt!“ und Tamara sieht und spürt den Schmerz vor allem der Kleinen über diese Ent-Täuschung! Wir hatten der Klinikthera nach dem zweiten Aufenthalt vertraut. Und hätten nie im Leben damit gerechnet dass sie die DIS so dermaßen ablehnt.

Auch Seelenfreundin, die diese Therapeutin kennt hätte dies nie für möglich gehalten, nicht bei ihr! Und auch unsere jetzige Frau Therapeutin, die früher in dieser Klinik gearbeitet hatte, Kollegin und ein wenig mehr als nur Kollegin war hätte nie im Leben mit dieser Reaktion gerechnet.

Gerade deshalb trifft es uns so hart! Und die Kleinen, die inzwischen Vertrauen zur jetzigen Frau Therapeutin gefasst haben, zumindest teilweise, die haben nun wieder Angst. Und Tamara hat Angst. Hat nicht nur wegen ihrer eigenen Enttäuschung Angst, sondern vor allem hat sie Angst um die Kleinen. Will die Kleinen schützen!

Deswegen hat sie in den letzten Wochen sehr viel dafür getan, Frau Therapeutin auf Abstand zu halten. Indem sie dem System verboten hat Frau Therapeutin um Hilfe zu bitten wenn es klemmt, wenn die Anspannung unaushaltbar ist, wenn die Flashbacks und Intrusionen zu heftig sind. Und sie hat dafür gesorgt, dass „ich“ so wenig mitbekomme dass auch ich keine Möglichkeit hatte um Hilfe zu bitten.

Tamara bemühte sich aus Angst Frau Therapeutin wegzustoßen. Lieber verscheucht sie Frau Therapeutin als dass Frau Therapeutin von sich aus uns weh tut. Und am Donnerstag ging dieser Schuss in den Ofen! Tamaras Bemühungen endeten in etlichen Schnittwunden über den Körper verteilt. Und Gabriella war darüber so schockiert dass sie sich über das Verbot Tamaras hinwegsetzte und Frau Therapeutin um Hilfe bat.

Der Freitag in voller Aufruhr. Joshi traurig dass dem Körper weh getan wurde und enttäuscht dass „ich“ es nicht verhindert habe. Torsten der geschnitten hat erschrocken, Tamara erschrocken und alle Kleinen in Angst dass Frau Therapeutin uns jetzt wirklich verlässt.

Frau Therapeutin reagierte wie immer großartig. Erklärte Torsten liebevoll dass wir genug Gewalt erlitten haben und dass wir damit aufhören sollen das selber im System fortzuführen. Beruhigte die Kleinen dass sie nicht gehen wird. Und fragte Tamara warum sie tat was sie tat. Ohne Vorwurf, ehrlich interessiert. Und nach einigem zögern rückte Tamara am Samstag in der Therapie dann mit der Sprache raus. Dass sie lieber Frau Therapeutin weg schubst bevor diese uns von sich aus im Stich lässt. Erzählte von ihrer Angst, dass sie nicht mehr vertrauen kann.

Und Frau Therapeutin nahm Tamara in den Arm, erklärte ihr dass sie verstehen könne was in Tamara vor geht, aber dass Tamara sich anstrengen kann wie sie will, sie (Frau Therapeutin) werde nicht gehen. Sie wird uns nicht im Stich lassen. Sie nimmt uns so wie wir sind, ALLE! Frau Therapeutin redete lange mit Tamara. Sagte immer wieder sie wisse WIE schwer Vertrauen für uns eh schon war und wieviel schwerer es jetzt ist. Und dass sie das aushält. Solange bis wir Vertrauen können!

Emotional war es Samstag. Und erschöpfend! Wir merken jetzt wie erschöpft wir sind. Müde, platt! Und es ist ok so. Es ist ok dass wir erschöpft sind. Es ist ok dass wir Angst haben. Es ist ok dass wir misstrauisch sind. Es ist ok.

Und es ist wieder ein ganz klitzekleines bißchen Hoffnung da, dass Vertrauen irgendwann möglich sein kann. Dass wir lernen können Außen-Menschen zu vertrauen, aber dass auch die Scherben irgendwann vertrauen werden, dass ich Scherbensammlerin für Hilfe sorge, dann wenn wir sie brauchen und dann wenn ich selbst sie nicht leisten kann.

Und obwohl Ares und Hass immer noch versuchen das Innen aufzumischen ist es ruhiger seit gestern, seit der Therapie. Der Körper schmerzt, aber er schmerzt weil nun spürbar ist wieviel Anspannung die letzten Wochen in ihm herrschte. Und dass ein Teil davon nun abgefallen ist. Ganz ohne Tavor!

6 Kommentare zu „Angst vs. Vertrauen

  1. Ja, manchmal braucht es viel Zeit um wieder vertrauen zu können. Und ein Gegenüber der das versteht. Aber es liest sich als hättet ihr so jemanden an eurer Seite.
    es freut mich das es ruhiger ist.

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  2. Als ich meine letzte Psychotherapie begann, habe ich mich bewusst dazu entscheiden zu vertrauen. Weil mir einfach klar war, wenn ich das nicht will und tue (auch wenn ich anderes im Leben erlebt habe, was gegen Vertrauen spricht), dann kann die Therapie nicht klappen.
    Ja, es war immer wieder Arbeit sich bewusst für das Vertrauen zu entscheiden. Aber es hat sich ausgezahlt!

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    1. „Ich“ finde dass unsere Therapie ganz gut klappt auch wenn es bei uns einige gibt die mit Vertrauen ein echtes Problem haben. Und denen hilft es auch nicht wenn „ich“ mich vom Kopf her entscheide zu Vertrauen. Deswegen haben sie trotzdem Angst und haben auch das Recht mit ihrer Angst gesehen und ernst genommen zu werden…..

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      1. Ich habe ja nix gegenteiliges behauptet, nur dass es mir geholfen hat und den Karren hintendran auch mitzog. Trotzdem gab es natürlich Anteile, die nicht vertraut haben. Aber wenn es an der Basis stimmt und das stimmte es bei uns ANPs. Wie gesagt, war auch nur nen Vorschlag, musst du ja nicht umsetzen.

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      2. Ich glaube Madita hat sich für das Vertrauen ,ganz bewusst,entschieden, denn sonst würde sie ja gar nicht erst zur Therapie gehen oder?
        War bei dir nie ,wirklich niemals ein Punkt wo du das Vertrauen in Frage gestellt hast

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